Die Dickmacher – und wie wir ihnen entkommen
| 12. Mai 2008Egal ob Fastfood, Sonntagsbraten oder Eisbecher – beim Essen schalten wir allzu leicht unseren Verstand aus. Wir essen mehr als nötig. Aber warum ist das so? Wie lässt sich unser Appetit beeinflussen? Die WDR-Wissenschaftssendung Quarks & Co beleuchtete im April unsere Essgewohnheiten. Ranga Yogeshwar und sein Team erklärten die Psychologie des Essens, nannten die größten Dickmacher und wie man ihnen entkommen kann.
So haben Wissenschaftler der Cornell-Universität herausgefunden, dass der Durchschnittsbürger etwa 200 Essreizen pro Tag ausgesetzt ist. Die meisten davon – die Forscher ermittelten bis zu 90 % – wirken unbewusst, was die “Appetitfallen” noch tückischer macht. Demnach lassen sich Menschen mit subtilen Mitteln dahingehend beeinflussen, mehr zu essen. Ein Test in einem Kino, bei dem den Besuchern unter einem Vorwand zufällig mal große, mal kleine Popcorntüten kostenlos gegeben wurden, zeigte beispielsweise, dass die Besucher mit großen Tüten im Durchschnitt etwa 20 Prozent mehr Popcorn gegessen hatten als die Filmfreunde mit einer kleinen Tüte. Und auch wenn das Popcorn gar nicht geschmeckt hatte, zügelte diese Tatsache die Esslust nicht erheblich. Größe zählt halt doch!
Die Forscher haben insgesamt 9 Appetitfallen ausgemacht:
1. Verführerische Vielfalt
Je grösser die Auswahl, desto höher der Verzehr. Tipp: Immer maximal 2 Dinge auf den Teller legen, das reduziert die Essgeschwindigkeit
2. Fehlende Erinnerung
Da man sich nur schlecht erinnern kann, was man schon alles gegessen hat, am besten vor dem Essen überlegen, wieviel man essen möchte. Dann den Teller entsprechend vollmachen und den Rest des Essens in der Küche lassen.
3. Bequemlichkeit siegt
Erhöhen Sie den Aufwand, um an Nahrung zu kommen! Schokolade nicht auf den Wohnzimmertisch, sondern im Küchenschrank lassen. Töpfe mit den Resten bleiben auf dem Herd und kommen nicht mit auf den Tisch!
4. Die Tücken großer Löffel oder Teller
Auch große Löffel oder Teller lösen Essreize aus. Daher: Kleine Teller und Löffel benutzen!
5. Schlank durch fettarme Kost
Allein das Bewusstsein, es mit “fettarmer Kost” zu tun zu haben, führte bei Versuchspersonen zu 49 % mehr Verzehr. Das war dann auch in Kalorien mehr als bei der nicht fettarmen Variante. Also nicht durch Marketingtricks verleiten lassen!
6. Optische Täuschungen
Lieber ein schlankes, hohes glas oder lieber breit und flach? Testkandidaten schenkten sich in die breiten, flachen Gläser 19 % mehr ein – also schlanke, hohe Gläser bevorzugen!
7. Die Mitesser
Die Essgeschwindigkeit der Tischnachbarn bestimmt unbewusst auch die eigene Geschwindigkeit der Nahrungsaufnahme. Schnellesser sollten sich also am besten zu einem Langsamesser setzen – wobei letzterer natürlich aufpassen muss, sich nicht vom schnelleren Nachbarn anstecken zu lassen.
8. Die Mitesser 2
Nicht nur die Essgeschwindigkeit, auch die zugenommene Menge färbt ab. Vielesser sind also bei den Wenigessern gut aufgehoben. Und je größer die Gruppe, desto höher die gegessene Menge. Omas Geburtstagsfeier läßt grüßen.
9. Falle Fernsehen
Die Ablenkung beim Fernsehen (aber auch beim Radiohören) führte bei den Testkandidaten zu deutlichem Mehrverzehr – egal ob es Popcorn oder Möhren waren. Da kann es helfen, wenn man sich zur Regel macht, dass immer am Esstisch gegessen wird – auch die Fernsehsnacks!
Den gesamten Inhalt der Sendung können Interessierte unter http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2008/0429/000_dickmacher.jsp nachlesen.